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Sammy Kovac: Frauenlieben


Texte von Frauen aus der Justizanstalt Schwarzau. (6)


Sammy Kovac war von 2003 bis 2007 in der JA Schwarzau inhaftiert. Sie ist eine der Protagonistinnen in Tina Leischs Film „Gangster Girls“. Im Laufe der Arbeit an dem Film begann sie zu schreiben. Hier Teil 6 Ihrer Erinnerungen,

Als ich in die Jugendabteilung kam, hatten wir untereinander oft über Beziehungen zu Frauen gesprochen. Ich sagte damals: „Nein, ich sicher niemals!“ Sabrina und Claudia lachten und sagten: „Du bist die erste, die etwas mit einer Frau hat, denn diejenigen, die ‚niemals!’ sagen, das sind meistens die ersten, die etwas mit einer Frau haben!“ Claudia sagte zu mir: „Ich spreche aus Erfahrung, denn ich hatte auch immer gesagt: ‚Ich und eine Frau? Sicher niemals’, und jetzt bin ich schon ein Jahr mit Sabrina zusammen. Ich hatte früher auch die gleiche Einstellung wie du jetzt. Du wirst es schon noch sehen, dass wir Recht haben.“

Damals dachte ich: Ja, wenn ihr meint! Ich weiß es doch besser. Da hatte ich mich aber getäuscht. Mit der ersten Frau, mit der ich zusammen war, für die habe ich eigentlich nichts empfunden. Anfangs war sie nett, das war alles, und da dachte ich: Ich habe doch früher auch schon des öfteren die Männer ausgenutzt, also warum nicht einmal eine Frau ausnutzen? Eigentlich hat es so angefangen: Ich habe Praxiten genommen und war natürlich voll zu, und Melanie erzählte mir, dass sie draußen auch schon mit Frauen Beziehungen hatte. Da wurde ich neugierig und wir haben uns geküsst. Tja, und dann dachte ich mir: warum eigentlich nicht, wenn ich mit ihr zusammen bin, geht sie für mich einkaufen. Verliebt war ich in sie nicht. Ich machte nach kurzer Zeit wieder Schluss mit ihr.

Irgendwie war es mir peinlich gewesen, dass ich mit ihr zusammen war, weil viele gesagt haben: „Wie kannst nur mit der zusammen sein, schau sie einmal genau an!“

Dann gab es einen Vorfall und zwar es war noch in der Früh und Melanie und ich hatten noch mehr oder weniger geschlafen und damals konnten wir die Türen noch nicht zu sperren. Plötzlich schlich sich Ilona in unsere Zelle und ich ertappte sie, wie sie Zigaretten gestohlen hat. Ich habe aber nichts gesagt. Ich wartete, bis Melanie munter war und erzählte ihr von dem Vorfall. Die ganze Jugendabteilung hat sich in der Küche versammelt, da zu dieser Zeit öfters etwas verschwunden war. Wir stellten Ilona zur Rede und sie soll das nicht mehr machen. Melanie sagte vor allen in der Küche, ich sei ihre, Melanies, Frau und ich lebe mit ihr, also muss Ilona mich auch fragen und darf nicht einfach so etwas nehmen. Das war mir zu viel. Und Melanie wollte immer mit mir duschen gehen, eigentlich ja ganz was normales, doch für mich war das Neuland und ich weiß nicht, sie war auch nicht mein Typ.

Einmal hatte ich mit ihr Sex. Das wusste ja keiner und ich wollte es ja eigentlich niemanden erzählen, doch durch ein Missverständnis hatte ich mich bei Sabrina verraten. Sabrina rief mich. Sie und ihre Freundin Claudia hatten die Zelle neben an. Ich dachte, sie weiß es und sie will mit mir darüber reden, also nahm ich eine Handvoll Zigaretten mit und ging hinüber zu ihnen. Sabrina sagte zu mir: „Schau sie haben unsere Zellentüre endlich repariert.“ Ich sagte „Ach so.“ darauf, und wollte eigentlich wieder gehen, doch Sabrina sah die Zigaretten und sagte. „Komm rein, was ist los?“ „Nichts.“, sagte ich. „Ich dachte, ihr wollt mit mir sprechen.“ Auf einmal sagte sie: „Du hattest Sex mit Melanie!“ Sie haben es mir angesehen. Ich hätte es gar nicht abstreiten können. Sie fragten mich, wie es war. Ich sagte: „Scheiße, es hat mir nichts gebracht. Melanie hat mich geleckt und ich dachte: wann ist sie endlich fertig.“ Claudia sagte, als sie das erste Mal mit einer Frau geschlafen hat, war es auch nicht schön, da man ja nicht weiß, was man tun soll. Aber wenn ich wollte, könnte ich sie jeder Zeit um Tipps fragen. Melanie ging nicht arbeiten, hat immer auf krank gemacht, die Zelle hat sie auch nicht geputzt und dann hat sie angefangen sich zu schneiden, aber natürlich nicht viel. Schneiden kann man nicht einmal richtig sagen, es war nicht tief. Ich bat dann Michaela darum, dass sie ihr sagt, dass es Schluss ist. Michaela fragte mich, warum ich das nicht selber sage. Ich sagte, weil ich sagen würde, dass sie fett und hässlich ist und dass sie mir auf die Nerven geht und ich wusste, Michaela würde das nicht so sagen, sondern sie hat dann gesagt, dass ich noch zu sehr an meinen Ex hänge und dass ich vorher ja noch nie etwas mit einer Frau gehabt habe. So, nun war die Beziehung beendet. Ich sagte, sie kann gleich wieder oben in ihren Bett schlafen. Am nächsten Tag, als ich von der Arbeit kam, war ein Glas von mir kaputt. Okay, das kann passieren. Wieder einen Tag später war mein Häferl kaputt. Ich sagte Melanie, sie soll damit aufhören meine Sachen kaputt zu machen. Melanie meinte, das sei nicht absichtlich. Ich sagte: „Schon komisch: Ich mache Schluss mit dir und zwei Tage hintereinander werden so rein zufällig meine Sachen kaputt. Warum fällt dir nicht etwas von dir runter?“ Sie hat dann nur noch den ganzen Tag geschlafen und arbeiten ist sie ja sowieso nicht gegangen. Es war um 20 Uhr Einschluss und Medikamentenzeit. Da war sie natürlich wach. Danach wollte sie gleich wieder schlafen gehen, aber ich habe gesagt, sie kann gleich ordentlich die Zelle putzen. Zwei Stunden habe ich sie putzen lassen. Kurze Zeit später ist sie umgezogen in eine andere Zelle. Darüber war ich dann sehr froh, und ich denke, sie auch.

Meine zweite Frau da drinnen und auch in meinen Leben war Nadine. Zu dieser Zeit war ich gerade im Erstvollzug. Sie kam auch hinauf, und wir verstanden uns einfach super. Sie ging in die Jugendabteilung und ich wurde in den Normalvollzug verlegt. Seit einem Jahr war ich schon in Nadine verliebt und hatte ihr nichts gesagt. Ich schrieb ihr einen Brief, zögerte aber ihn ihr zu geben. Nadine kam dann auch in den Normalvollzug, da sie Scheiße auf der Jugendabteilung gebaut hatte. Conny fragte mich, weil wir ein paar Tage zuvor gesprochen hatten und ich gesagt hatte, dass ich seit einem Jahr in Nadine verliebt bin, ob ich es ihr schon gesagt habe. Ich sagte: „Nein, ich habe ihr einen Brief geschrieben, aber ich weiß nicht ob ich ihr in geben soll.“ Conny sagte: „Ja, gib in ihr!“ Ich ging mit Nadine ein paar Runden und dann sagte ich: „Hier für dich.“ Sie las den Brief und ich war derweilen bei Conny und den anderen. Als sie fertig war mit dem Lesen, rief sie nach mir und ich ging zu ihr und setze mich auf die Bank neben ihr hin und sie küsste mich. Ich war total überrascht, aber das machte mir nichts aus, dass sie mich vor allen geküsst hat. Nach dem Kuss fragte ich sie, was jetzt ist, ob wir zusammen sind oder nicht. Sie sagte : „Das wäre aber blöd, wenn wir das jetzt nicht wären.“ Hand in Hand gingen wir unsere Runden im Kreis. Sie sagte, sie hat aber einen Freund. Ich sagte: “Ja, das weiß ich, aber wegen mir brauchst du nicht Schluss machen, das akzeptiere ich.“ Nach einer Woche sagte sie zu mir, es sei aus, sie kann das nicht, ich bin ihre erste Frau und es geht nicht. Ich akzeptierte das, aber es tat mir natürlich weh. Sie fragte mich, ob das an unserer Freundschaft eh nichts ändert. „Nein, natürlich nicht.“ sagte ich zu Nadine. Das ging dann immer hin und her: einmal zusammen, einmal auseinander.

Einmal hatte ich etwas mit Vanessa. Die war mit mir in der Zelle. Sie fragte mich fast jeden Tag ob sie bei mir herunten Fernsehen schauen kann. Ich sagte ja, denn das hat mich nicht gestört, da ich ja super mit ihr auskam. Dann hatten wir währen des Fernsehschauens uns geküsst, und auch gestreichelt. Mehr war nicht, aber das war einmalig. Vielleicht wäre ja was geworden zwischen Vanessa und mir, aber ich kam dann wieder mit Nadine zusammen. Nadine wurde dann in die Wohngruppe verlegt. Wir sahen uns dann nur noch im Englischkurs. Ich schrieb Nadine einen Brief. Zu dieser Zeit waren wir wieder auseinander. Ich schrieb ihr, ob wir es nicht nochmals versuchen. Ein paar Tagen darauf wurde ich in den zweiten Stock hinauf in den Erstvollzug verlegt. Dort unternahm ich sehr viel mit Denise. Wir spielten Poker und Dart, da wir am Gang eine Dartscheibe hatten. Ich hatte mich Hals über Kopf in sie verliebt. Ich ging ein paar Tagen später auf Therapieausgang, da rief mich Nadine an. Nadine war auch gerade auf Ausgang. Sie sagte zu mir, sie würde schon gerne wieder mit mir zusammen sein, aber das ist blöd, weil wir uns ja so gut wie nicht sehen können, da sie ja schon in der Wohngruppe ist. Ich sagte dann nur zu ihr „Vergiss es einfach, mir ist was anderes dazwischen gekommen.“ Ich hatte nur noch Denise im Kopf. Nadine sagte, das kann ich nicht dauernd mit ihr machen. Kurz darauf beendeten wir das Telefonat.

Sehr viele Leute haben mich gewarnt vor Denise. Sie sagten: „Sie spielt doch nur mit dir. Pass auf!“ Irgendwo stimmte das ja. Aber so wirklich wahrhaben wollte ich das natürlich nicht. Ich hab ja alles durch die Rosarote Brille gesehen. Denise überredete mich, dass ich auch in die Theatergruppe komme. Ich sagte: ja okay, wenn mich die Beamten lassen. Es wurde erlaubt.

Denise arbeitete im Garten und ich in der Näherei. Eines Tages kam sie von der Arbeit. Sie kam in meine Zelle und sagte. „Ich muss morgen in die Wohngruppe.“ Und ging in ihre Zelle sich schnell umziehen und die Haare machen, bevor wir in die Theatergruppe gehen. Ich war geschockt. Dann rief sie mich, ich soll schnell kommen und ihr helfen. Das tat ich auch. Sie war in einer großen Zelle. Alle sprachen über Denises Verlegung in die Wohngruppe und ich unterdrückte meine Tränen, das war ein Schlag ins Gesicht für mich, dass sie weg geht von diesem Stock. In der Theatergruppe versuchte ich mir es nicht anmerken zu lassen, doch eine hat es sofort gemerkt, dass mit mir was nicht stimmt, das war die Jenny. Man kann sagen Jenny war da drinnen im Gefängnis meine beste Freundin. Ihr konnte ich mich immer anvertrauen und das tat ich auch. Also sagte ich es Jenny warum. Aber meine Tränen konnte ich unterdrücken. Auf dem Weg in unseren Stock sagte die Denise zu mir, sie weiß nicht ob sie in die Wohngruppe gehen soll. Ich sagte: „Wieso? Sei doch froh, das ist gut für dich, da hast du mehr Vorteile und nicht eine jede kommt in die Wohngruppe.“ Sie sagte, sie will irgendwie nicht gehen. Sie fragte mich, ob sie hier bleiben soll. Ich sagte: „Das musst du wissen. Das ist deine Entscheidung. Du bist dann näher am Freigang.“ Sie sagte zu mir ich soll nachkommen auf den Freigang. Ich sagte: ja ich versuche es. Aber meine Chancen auf den Freigang standen nicht sehr gut. Am nächsten Morgen bei der Medikamentenausteilung ging ich zu Schwester und meldete mich krank. Ich stand auf dem Gang und Denise sah mich . Sie sagte: „Gehst du heute nicht arbeiten?“ Ich sagte: „Nein. Ich bin krank.“ Denise wusste aber ganz genau, dass das eine Lüge ist. Die Beamtin ging vorbei und sie sagte zu ihr, dass ich doch arbeiten gehe. Die Beamtin sagte, sie bringt mich nachher in die Arbeit hinunter, aber ich muss noch ein wenig warten. In dieser Zeit verabschiedete ich mich von Denise. Ich gab ihr einen kleinen Teddybären, damit sie mich nicht vergisst. Denise nahm mich ganz fest in die Arme und sie sagte zu mir:“ Kleine! Pass auf dich auf, und ruf mich an. wenn du Probleme oder so hier hast dann sag es mir . und gehe jeden Tag brav arbeiten.“ Ich kämpfte darum meine Tränen zu unterdrücken. Da kam auch schon die Beamtin und auf dem Weg nach unten kamen mir die Tränen. Ich konnte sie nicht länger unterdrücken. In der Arbeit angelangt sah ich andauernd zum Fenster hinaus, denn die Leute die in den Garten gehen, um dort zu arbeiten, müssen bei unserem Fenster in der Näherei vorbei gehen. Da sah ich sie noch mal. Sie winkte mir und ich winkte ihr zurück. Ein paar Tage später in der Theatergruppe sagte sie mir, dass sie zwei Tage später in auf den Freigang verlegt werden wird. Natürlich freute ich mich sehr für sie, aber es machte mich auch traurig. Denn, da die Freigängerabteilung ganz strikt von allen andren Abteilungen getrennt ist, wusste ich: ich sehe sie gar nicht mehr, da sie ja dann auch nicht mehr in die Theatergruppe kommen darf. Ich ging dann zu einem bestimmten Termin, denn wir uns ausgemacht hatten auf Ausgang, doch die Denise kam nicht. Das wusste ich schon zwei Tage vorher denn, das hat mir Anna gesagt, die mit uns am selben Stock war, und schon seit längerer Zeit am Freigang ist. Am Ausgang rufe ich Denise an, aber die Nummer die sie mir gegeben hatte, existierte nicht mehr. Einen Monat später ging ich wieder auf Ausgang. Da rief ich Anna an. Sie fragte mich nach einigen Minuten ob ich mit jemanden sprechen möchte. Ich antwortete, wenn dieser jemand überhaupt noch mit mir sprechen möchte. Denise nahm das Handy von Anna und sagte: „Hallo Baby! Entschuldigung, dass ich nicht auf Ausgang war zum vereinbarten Termin, aber ich musste arbeiten, und als ich dir die Nummer gab in der Theatergruppe, wusste ich nicht das sie nicht mehr existiert, da ich diese Nummer vor der Verhaftung gehabt habe.“ Ich nahm die Entschuldigung an. Wir machten uns einen Termin aus, wann wir zusammen auf Ausgang gehen würden. Nach zwei Tagen Ausgang musste ich wieder zurück ins Gefängnis. Da ließ ich Denises Telefonnummer ein speichern. Wenn man nämlich von dem Anstaltstelefon aus mit jemandem telefonieren möchte, muss man die betreffende Nummer erst einspeichern lassen. Da die Frauen am Freigang Tag und Nacht ihr Handy bei sich haben dürfen, konnte ich also jeden Tag mit Denise telefonieren. Wir gingen dann alle vierzehn Tagen gemeinsam auf Ausgang. Wir hatten sehr viel Spaß immer am Ausgang. Eines Tages nahm ich vom Therapieausgang ein Handy mit auf die Zelle was ja eigentlich verboten war. Ladegerät hatte ich nicht mit. Ich rief Denise weiterhin jeden Tag an von der Telefonzelle und nach dem Einschluss von der Zelle aus. Eines Tage sagte ich zu ihr: „Ich liebe dich!“ Sie sagte zu mir: „Ich liebe dich auch und du fehlst mir sehr.“ Nach einer Woche nahm ich das Handy wieder mit hinaus da der Akku leer war. Ich lies aber das Handy dann draußen, denn am selben Tag wurde meine Sachen durchsucht. Und das war mir dann zu gefährlich. Denise fragte mich des öfteren, was sein wird, wenn ich vor ihr entlassen werde. Ich sagte: „ Was soll sein? Wir sehen uns weiterhin und ich rufe dich auch weiterhin an. Und umgekehrt auch.“ Es war ein Montag und ich hatte die Anhörung von meinen Drittel. Es wurde mir abgelehnt wie ich mir schon dachte, doch ich war trotzdem enttäuscht, da ich trotzdem gehofft habe, dass ich es bekommen werde, aber dem war nicht so. Denise riet mir, dass ich eine Beschwerde machen soll. Das tat ich dann auch. Denise hatte immer zu mir gesagt, wenn ich entlassen werde, soll ich sofort bei ihr anrufen und ihr das gleich mitteilen. Es war Donnerstag der 27. September, normalerweise der Tag, an dem ich auf Therapieausgang gehen würde. Und aus diesen Grund ging ich früher von der Arbeit weg und auf die Zelle. Als ich auf der Zelle wartete, bis ich geholt werde für den Therapieausgang kam auf einmal eine Beamtin zu mir, und sagte: „Du gehst nach Hause, du musst deine Sachen packen, denn du bist jetzt entlassen das Fax ist gerade gekommen, von der Beschwerde und es ist durchgegangen.“ Ich sagte zur Beamtin : „Sie machen doch einen Spaß, bitte verarschen sie mich nicht.“ Sie sagte nein das ist kein Spaß du hast eine Stunde Zeit zum Packen, dann musst du fertig sein. ich stand total unter Schock. ich habe am ganzen Körper gezittert und geweint ich war wie ferngesteuert. Darum fand ich die Nummer von Denise nicht. Als ich vor den geschlossen Gefängnistoren stand traf ich zufällig Christine. Christine war auch auf den Freigang und ich wusste, dass sie die Nummer von Denise hat und ich bat sie, dass sie mir schnell die Nummer gibt. Sie lies mich aber gleich von ihren Handy aus Denise anrufen. Ich sagte Denise, dass ich entlassen bin. Sie war gerade in der Arbeit und hörte zwei Stunden später auf. Denise sagte ich soll zu ihrer Arbeit kommen und dort auf sie warten. Das tat ich auch ich fuhr mit dem Taxi und meinen ganzen Sachen zu ihr in die Arbeit und wartete bis sie kam. Noch immer konnte ich es nicht glauben das ich nach viereinhalb Jahren Haft endlich wieder ein freier Mensch war. Als sie kam, lachte sie über das ganze Gesicht und nahm mich in den Arm, sie hatte Tränen in den Augen. Wir setzten uns in das Restaurant und warteten auf ihren Freund, der uns abholte. Währenddessen fragte sie mich, ob ich ihr Geld borgen könnte. Ich gab ihr zweihundert Euro. Sie fragte mich, ob ich ihr nicht noch einen Hunderter geben kann. Ich sagte natürlich ja, und gab ihr noch einen Hundert Euroschein. Ich fuhr dann in ein Lokal, das einem bekannten von Denise gehörte, wo ich schwarz arbeiten und wo ich schlafen konnte. Da ich ja noch keine Wohnung hatte. Wir telefonierten weiterhin täglich. Ich schickte ihr natürlich weiterhin Geld. Ich war eine Woche in diesem Lokal. Dann habe ich in einem anderen Lokal angefangen zu arbeiten, da hatte ich gratis ein Zimmer und Essen und 30 Euro am Tag verdiente ich als Kellnerin. Wir trafen uns jede Woche und da gab ich ihr auch immer Geld. Täglich telefonierten wir miteinander. Irgendwann traf ich dann ein paar Leute vom Freigang und unabhängig von einander sagten sie mir alle dasselbe und zwar, dass Denise überall erzählte, dass ich für 50 Euro mich für sie prostituierte. Das war hart. Ich dachte: warum sollte sie so etwas erzählen? Doch meine beste Freundin Jenny hat mir das auch bestätigt, als ich sie fragte, ob sie davon was gehört habe. Jenny sagte, sie hätte mir das nicht sagen wollen, denn ich wurde ihr das eh nicht glauben. Am selben Tag traf ich mich mit drei Jungs von Gerasdorf , die wir kennengelernt hatten, als zwei von ihnen als Volleyballspieler beim Sportfest in Schwarzau gewesen waren. Sie hatten damals auch Denise kennengelernt. Ohne dass ich das Thema erwähnte, sagten mir beide: „Weißt du eigentlich, dass Denise zu uns gesagt hat, dass du für sie für 50 Euro mit Männern ins Bett steigst?“ Ich sagte, das stimmt nicht, dass ich das tue. Aber jetzt wußte ich ganz sicher, dass die andren das nicht nur so gesagt haben, sondern dass es wirklich stimmte! Mittlerweile wurde Denise auch schon entlassen. Eines Tages rief sie mich an und fragte mich, ob ich nicht vom Ausland einen Koffer für sie holen möchte. Ich würde 6000 Euro dafür bekommen. Ich sagte: „Nein, das mache ich nicht, denn ich gehe sicher nicht mehr ins Gefängnis.“ Sie meinte, das wird nicht passieren, sie würde immer hinter mir und zu mir stehen. Und von diesem Tag an habe ich den Kontakt abgebrochen. Ich rief sie nicht mehr an, hob nicht mehr ab und versuchte ihr aus dem Weg zu gehen, da wir ja in der selben Straße wohnten. Ich sah sie so gut nie. Nur aus dem Fenster. Aber da sah sie mich nicht. Doch nach ein paar Wochen, als sie einmal plötzlich auf der Strasse vor mir stand, fragte sie mich, warum ich nicht mehr abhebe und warum ich ihr aus dem Weg gehe. Ob ich böse auf sie bin? Ich sagte: „Ja.“ Denise fragte mich, warum ich böse auf sie wäre. Ich sagte: „Erstens wegen der Geschichte mit dem Koffer, den ich für sie holen hätte sollen.“ Sie meinte, sie hätte mich nur darum gefragt, weil ich das Geld ja gut brauchen könnte. Dann sagte ich: „Und zweitens weil ich von einigen Leuten gehört habe, dass du herum erzählst, dass ich für dich als Hure arbeite und für 50 Euro mit den Männern ins Bett steige.“ Sie sagte zu mir : „Wenn du den andren mehr glaubst als mir!“ Danach hatte ich einige Monate keinen Kontakt mehr. Sie hatte dann ein Lokal gepachtet und die Nachbarin von diesen Lokal sagte zu mir: „Denise vermisst dich. Sie spricht nur gut über dich. Gib ihr noch eine Chance!“ Das tat ich. Ich traf mich dann zwei Tage hintereinander mit ihr. Dann flog ich in Urlaub. Und als ich nach vier Wochen kam, zog ich in eine andere Stadt. Ich schickte ihr eine SMS und schrieb, dass ich wieder in Österreich bin und dass ich umgezogen bin in eine andere Stadt. Doch ich hörte nie wieder etwas von ihr. Sie hatte auch kein einziges Mal etwas von den Geld gesagt, das ich ihr geborgt habe, das sind so um die 500 Euro, wenn nicht sogar mehr. Ich muss zugeben, sie fehlt mir trotz allem sehr. Ich denke sehr oft an sie .Aber es ist besser so, dass wir keinen Kontakt mehr miteinander haben. Denn sie hat mich ja so wieso nur ausgenutzt. Ich denke schon, dass mich irgendwo auch gern gehabt hat, aber nicht so, wie sie es mir vorgespielt hatte. Hätte ich auf die andren gehört, dann hätte ich mir einiges erspart. Na ja, aus Fehlern lernt man ja, oder zu mindesten sollte man daraus lernen. Mittlerweile habe ich auch erfahren von meiner besten Freundin Jenny: Wenn irgendwer von mir schöne Grüße ausgerichtet hat, dann hat Denise immer gesagt. „Lasst mich mit der Depperten in Ruhe, das interessiert mich nicht. Ich nutze sie sowieso nur aus.“ Obwohl ich das alles weiß, wie Arsch sie eigentlich zu mir war und dass sie, auf gut Deutsch gesagt, ein Arschloch ist, vermisse ich sie schon, und ich denke auch sehr oft noch an sie. Ja, ich würde mich sogar freuen, wenn wir uns mal wieder sehen würden. Ich kriege sie einfach nicht aus dem Kopf, obwohl sie so fies war, und mir alles nur vorgespielt hat.