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Sammy Kovac: BeamtInnen u. a.


Sammy Kovac war von 2003 bis 2007 in der JA Schwarzau inhaftiert. Sie ist eine der Protagonistinnen in Tina Leischs Film „Gangster Girls“. Im Laufe der Arbeit an dem Film begann sie zu schreiben. Hier Teil 7 ihrer Häfenmemoiren.

Bei den Beamten gibt es wie auch in ganz normalen Leben in Freiheit solche und solche. Manche Beamte glauben sie können an den Häftlingen ihren Zorn auslassen, und andere Beamte sind wiederum sehr freundlich und nett. Also ganz einfach gesagt : menschlich. Natürlich machen die Beamten auch nur ihre Arbeit, aber würde es die Gefangen nicht geben, dann wären ja alle Beamten arbeitslos. Natürlich gibt es auch die Beamten, mit denen man reden kann und die einem helfen. Es kommt auch immer darauf an was man denen Beamten erzählt. Denn es gibt einfach Sachen die müssen sie einfach weiterleiten. Zum Beispiel hatte ich ja auch mal ein Problem und zwar war in meiner Zelle ein Mädchen das junkte. Ich wusste: wenn ich es der Beamtin sage, dass sie das weiterleiten muss. Über dieses Thema habe ich schon berichtet und zwar in „Der Verrat“.
Was mir während meiner Haftzeit aufgefallen ist: dass die männlichen Beamten anders mit uns umgehen als die Frauen. Sie sind einfach viel freundlicher als die weiblichen Beamten zu uns gewesen. Woran das liegt, weiß ich leider nicht. Aber mir haben auch männlichen Insassen gesagt, dass die weiblichen Beamte zu ihnen wiederum freundlicher sind als die männlichen. Wäre ja interessant, warum das so ist, aber ich glaube das weiß keiner so richtig.
Es natürlich gibt es auch beliebte und unbeliebte Beamte und auch Beamtinnen. Die beliebten Beamten sind die, die Häftlinge einfach menschlich behandeln und freundlich sind. Und die unbeliebten Beamtinnen sind eben die, die in den Häftlingen keine Menschen sehen. Ich weiß nicht, was die in uns sehen, Monster oder Tiere oder so. Ich bin mir sicher, jeder Häftling hat einen Vertrauensbeamten. Bei mir war es meine Arbeitschefin. Natürlich werden manche Häftlinge bevorzugt. Oder auch benachteiligt. Da gab es eine Frau namens Helga, die ist den Beamten auf gut deutsch gesagt regelrecht in den Arsch gekrochen. Die durfte natürlich jeden Tag telefonieren, denn früher gäbe es das noch nicht, dass wir jeden Tag an dem kartentelefon im Gang telefonieren durften, nur ein bis zweimal in der Woche. Ob es im Gefängnis Gerechtigkeit gibt? Nein, in meinen Augen gibt es das nicht. Zum Beispiel: normalerweise gibt es das nicht, dass man, wenn man eine neuerliche Verhandlung hat, weil man in der Haft etwas angestellt hat, dass man weiterhin auf Ausgang gehen kann. Ich aber hatte auch eine neuerliche Verhandlung weil ich einem Mädchen heißes Wasser raufgeschüttet hatte.(Habe ich in der Geschichte “Der Wasserkocher” berichtet.) Trotz meiner neuerlichen Verhandlung durfte ich weiterhin auf Ausgang gehen. Woran das lag, habe ich bis heute keine Ahnung. Natürlich fanden das alle Insassinnen ungerecht, und auch ich habe zu den Insassinnen gesagt, dass ich das selbst genauso den anderen gegenüber unfair finde, aber ich wäre auch schön blöd, wenn ich nicht gehen würde, wenn ich darf.
Meiner Meinung nach haben die BeamtInnen, die Häftlinge unmenschlich behandeln, den falschen Beruf gewählt. Bestimmt fällt es auch manchen BeamtInnen schwer, mit gewissen Delikten umzugehen. Denn bei manchen Delikten dreht es einem echt den Magen um. Trotzdem müssten die Beamten jeden Häftling gleich behandeln, egal was sie angestellt haben. Schließlich haben sie sich ja selbst für diesen Beruf entschieden.
Es gibt auch Beamtinnen und Beamte, die im gleichen Alter sind oder sogar jünger als man selber ist, aber trotzdem hört man auf die, wenn sie etwas sagen. Obwohl das irgendwie komisch ist. Die ersten zwei Monaten meiner Haftzeit war ich ja im Landesgericht Wiener Neustadt und da sind die meisten Beamten unfreundlich, aber das ist glaube ich, was ich so gehört habe, in fast jedem Landesgericht so, aber warum das so ist, weiß ich leider nicht. Ich glaube, dass es für die Beamten auch nicht immer leicht ist im Umgang mit den Häftlingen. Ich denke bei so mancher Insassin müssen sie auch versuchen nicht an deren Delikt zu denken. Ich war mit Jasmin in der Zelle und wir bekamen ganz plötzlich eine Kindermörderin in die Zelle. Natürlich hatte sich Jasmin dagegen gewehrt, dass wir sie in die Zelle bekommen, aber das nützte ja nichts. Alles, was die Beamtin dazu sagte war: wir müssen es versuchen, und wehe wir würden auf sie losgehen. Ich glaube dass die Kindesmörderinnen bevorzugt werden. Oder fällt das bei denen unter Schutz? Aber ich denke mir sie werden dargestellt als Opfer, obwohl sie Täterinnen sind. Die Kinder hatte auch keiner beschützt. Ja das ist heikles Thema. Darüber lässt es sich sehr viel diskutieren.
Ich finde die Einteilung der Zellenkolleginnen könnte besser sind und zwar dass sie für Drogenabhängige einen eigenen Stock haben und auch für alle Delikte, die mit Kindern zu tun haben. Also schwere Delikte zusammen auf eine Abteilung und die leichteren. Mir ist schon klar, dass das nicht immer geht. Da die Gefängnisse von den Abteilungen her zu klein sind. Denke ich halt einmal.

Meiner Meinung nach ist der Job als Beamtin nicht gerade leicht. Aber vor allem sollte jeder gleich behandelt werden, ganz egal wie lange die Haftstrafe ist oder wegen welchen Deliktes derjenige eingesperrt worden ist. Auch wenn es einem mit so manchen Häftlingen sehr schwer fällt. Es sollte auch die Freundlichkeit nicht fehlen und die Menschlichkeit, denn egal was die Insassinnen gemacht haben, sie sind trotzdem Menschen und keine Tiere.

Sehr viele Beamtinnen glauben, dass die Insassinnen glauben, dass die Beamten es schlecht mit ihnen meinen, aber das stimmt nicht. Die Beamtinnen und Beamten machen ja auch nur ihren Job und haben auch Vorschriften, an die sie sich halten müssten. Aber allerdings denke ich egal was es für eine Berufssparte ist: Alkohol hat nichts auf der Arbeitsstelle beziehungsweise im Dienst zu suchen. Aber das sehen manche Beamte nicht so. denn ich und natürlich auch andere Insassinnen konnten beobachten und auch riechen, dass manche Beamtinnen und Beamte während des Dienstes Alkohol zu sich nehmen. Natürlich konnten wir sie nicht direkt dabei beobachten wie sie den Alkohol zu sich nahmen, aber wir merkten es am Gang von den Beamten und Beamtinnen und an der Aussprache, weil sie schon lallten und man roch auch die Fahne. Natürlich sind das nicht alle Beamtinnen und Beamte, sondern nur ein paar Ausnahmen, und es sind auch immer die gleichen. Und ich denke gerade als Beamte oder Beamtin sollte man das lassen. Denn man ist ja schließlich eine Autoritätsperson. Aber ich muss zugeben dass die meisten Beamte und Beamtinnen in der JVA-Schwarzau ganz in Ordnung sind. Auch wenn man das erst nach der Entlassung so sieht. Da man ja mit denen nichts mehr zu tun hat. Und außerdem sieht man ja so vieles rückblickend von einer anderen Seite.
Eigentlich haben ja die BeamtInnen lebenslänglich, da sie ja bis zu ihrer Pension den Job machen müssen. Natürlich stumpft man ab dabei. Ich habe mich mal in Wiener Neustadt im Landesgericht mit einer Beamtin unterhalten und die hat mir erzählt, dass sie nebenbei noch auf einer Tankstelle arbeitet, da sie nicht so werden will wie andere Beamte : kalt und herzlos einfach. Die Beamtin war echt super. Eine von den wenigen netten in Wiener Neustadt.
Also, wenn man auf Ausgang geht, muss man mit dem Bademantel gehen dass man ja nichts hinaus schmuggelt. Natürlich hat man die Unterwäsche, Socken und Schuhe an. Das restliche Gewand muss man in der Hand tragen. Dann geht man in das Zimmer, wo sich für jede Ausgängerin ein Kästchen befindet, in dem sie ihr Handy, ihre Geldtasche und andre Dinge, die sie am Ausgang haben darf, aber nicht im Häfen, aufbewahrt. Dort wird der Bademantel hineingelegt und man nimmt dafür heraus, was man noch beim Ausgang mit nimmt, zum Beispiel eine Tasche Gewand, die man schon in der früh abgibt damit die Beamtin die Tasche kontrollieren kann. Dann wird zieht man den Bademantel und die Schuhe aus. Ganz nach Beamtin und deren Lust und Laune muss man die Socken und BHs ausziehen und eventuell auch die Unterhose. Sie durchsuchen auch das Gewand, das man anzieht. Das hängt auch wieder von den Beamtinnen ab, ob und wie gründlich sie das machen. Manche machen es und manche nicht. Wie sie halt gerade wollen. Dann zieht man die Sachen an, und die Beamtin schreibt alles genau auf : Schuhe, Gewand, Schmuck, alles was man alles mit hat und nur das darf man wieder mitnehmen gleich auf die Zelle, wenn man vom Ausgang zurück kommt. Für alles andere was man mitnimmt, also: wenn du dir vom Ausgang einen neuen Pullover mit hinein nehmen möchtest, z.B., muss man in vorhinein ansuchen. Aber auch wenn du angesucht hast für die Sachen, darfst du sie nicht sofort mitnehmen, sondern sie werden im Dienstzimmer versperrt mit deinen Namen und die Beamtin, die auf diesem Stock Dienst hat, kontrolliert sie dann am nächsten Tag. Hast du im Vorhinein nicht angesucht und du hast Pech, dann bekommst du die Sachen nicht und sie werden in deinem Ausgangskästchen versperrt, dann hast du die Möglichkeit im Nachhinein anzusuchen, ob du die Sachen aus dem Ausgangskästchen haben darfst- Entweder genehmigen sie dir es oder nicht. Aber es geht auch manchmal ohne Ansuchen, wenn man es vergessen hat. Das kommt natürlich wieder auf die Beamtin an und auf ihre Lust und Laune.
Beim reingehen wird natürlich kontrolliert. Manche sind da sehr genau und manche weniger. Kommt wie immer auf die Beamtin darauf an. Manche lassen dich ganz nackt ausziehen und Kniebeuge machen. Da schauen sie ob aus deinem Vaginalbereich etwas herausfällt. Ich musste das auch mal machen und ich muss sagen, das ist sehr unangenehm. Ich denke, das ist aber nicht nur mir unangenehm, sondern allen Insassinnen, die das machen müssen.

Dann gibt es außer den Beamten noch SozialarbeiterInnen, Psychiater und Psychologin. Also die Sozialarbeiterinnen: da kann man telefonieren, wenn man kein Geld hat, und die helfen einem bei der Entlassungsvorbereitung. Bei der Wohnungssuche zumindestens sollten sie dich unterstützen. Bei mir war das nicht möglich, dass sie mir bei der Wohnungssuche helfen, da ich plötzlich und unerwartet vorzeitig entlassen wurde. Bei mir ist ein Fax gekommen und ich hatte eine Stunde Zeit zum Packen. Über die SozialarbeiterInnen gibt es natürlich verschiedene Meinungen: manche finden den einen gut und manche die andre. Insgesamt gibt es in der Schwarzau vier SozialarbeiterInnen. Ich habe meinen Sozialarbeiter nicht oft gebraucht, aber die paar Mal, die ich ihn gebraucht habe, hat er mir gute Tipps gegeben.
Zum Psychiater: es gibt einen für das ganze Haus, der verschreibt die Tabletten. und man kann auch mit ihm reden. Aber das habe ich nicht getan. Ich habe mir einmal von ihm Tabletten verschreiben lassen wollen. Aber er sagte zuerst: “Seien sie froh, das Sie keine mehr nehmen.” Ich wollte die Praxiten. Das sind Tabletten, die einen zu machen. Der Psychiater war nicht begeistert darüber, dass ich sie wieder nehmen möchte. Ich sagte ganz einfach zu ihm: “Ich habe vorher von selbst aufgehört und höre jetzt wieder von selbst auf, wenn mir danach ist, aber im Moment will ich sie haben damit ich zu bin, weil ich es sonst nicht packe hier drinnen.” Ich habe sie schließlich verordnet bekommen, und wie ich damals zum Psychiater sagte: ich habe auch wieder selbst damit aufgehört.
Die Psychologin in der Schwarzau: Um ganz ehrlich zu sein: ich war ein einziges Mal bei ihr und das hat mir gereicht. Da hat sie mir erzählt, dass eine Insassin es nicht leicht gehabt hat in ihrem Leben und hat diese Insassin mit dem Namen genannt! Von einer andren Insassin hat sie mir erzählt, dass deren Mutter gestorben ist. Und dadurch war mir klar: zu der kann ich kein Vertrauen haben, denn in meinen Augen hat sie nicht das Recht mir oder auch sonst irgendjemanden so etwas zu erzählen.
Wie die Insassinnen mit den Beamtinnen umgehen: Das ist ganz verschieden. Auch die Insassinnen lassen ihre Launen manchmal an den Beamten und Beamtinnen aus. Manchmal werden sie sogar beschimpft.

Es gibt auch die BeamtInnen, die gleich wegen jeder Kleinigkeit eine Meldung schreiben. Andre sind da nicht so streng. Zum Beispiel hatte ich einmal einen Streit mit einer Beamtin. Sie waren zu zweit im Dienstzimmer, und ich sagte zu der einen “Fick dich!”, weil sie mich auf die Palme gebracht hatte. Die andere Beamtin schrieb mir deswegen gleich eine Meldung. Ziemlich am Anfang meiner Haftzeit hatte ich auch eine Beamtin beschimpft, irgendetwas mit Hure oder Schlampe, so genau weiß ich das nicht mehr. Die waren auch zu zweit im Dienstzimmer und damals hatte keine von den beiden Beamtinnen eine Meldung geschrieben .
Aber ich denk mir deswegen müsste man ja keine Meldung schreiben, denn das kann schon mal passieren, dass man die Nerven verliert. Okay, bei Randalieren oder Handgreiflichkeiten sehe ich das ein, dass da eine Meldung geschrieben wird oder wenn man etwas schmuggelt. Aber beim Schmuggeln, denke ich, kommt es auch immer darauf an, was man schmuggelt. Wenn jetzt eine Drogen schmuggelt oder Spritzen oder dergleichen, finde ich das vollkommen in Ordnung. Aber nicht, weil man einen Brief für die Männer am Gutshof schmuggelt. Das ist doch eine Lappalie. Es wird auch Meldung geschrieben, wenn man Alkohol anbaut und man wird erwischt, Oder wenn man ein Handy besitzt. Ja, ich hatte auch Meldungen bekommen. Eine wegen Randalierens, eine wegen Briefschmuggel, eine wegen Handybesitz, eine wegen Beschimpfung einer Beamtin und eine wegen Arbeitsverweigerung. Obwohl das mit der Arbeitsverweigerung doch lächerlich war, da wir eine schwierige Arbeit machen mussten und ich hatte das falsch gemacht gehabt, weil ich es nicht richtig hinbekommen habe. Also kam die Lieferung wieder zurück und musste aber in ein paar Stunden fertig sein. Und das waren mehrere hundert Stücke zu machen. Zu dieser Zeit hatte ich aber gerade eine andere Arbeit auch. Die Beamtin sagte zu mir, ich soll da mit helfen und ich sagte : es hat keinen Sinn, wenn ich mit helfe, da ich das nicht richtig kann und außerdem hält das nur alles auf, denn alle Stücke, die ich machen würde, müssten natürlich jedes einzelne Stück wieder kontrolliert und höchst wahrscheinlich neu gemacht werden müssen. Also in meinen Augen hätte das keinen Sinn gemacht, sondern wäre nur eine verlorene Zeit gewesen. Ich erwähnte noch, dass ich außerdem eh eine andere Arbeit habe. Darauf meinte dann die Beamtin, entweder helfe ich da jetzt mit oder ich gehe in die Zelle zurück. Daraufhin sagte ich: “Dann gehe ich eben in die Zelle.” So wurde ich von einer Beamtin geholt und diese Beamtin, die unsere Chefin vertreten hat, schrieb mir eine Meldung wegen Arbeitsverweigerung.